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Möllers Probleme früh aufgezeigt

Wer trägt die Verantwortung an der Misere der Maschinenfabrik Möllers, die in dieser Woche die Entlassung von 50 Mitarbeitern angekündigt hat? Zu dieser Frage hat sich mit Klaus Günther ein ehemaliger Geschäftsführer der GmbH zu Wort gemeldet.

Er fühlt sich getroffen von einer pauschalen Schuldzuweisung an die ehemaligen Möllers-Chefs, die er für sich selbst auf keinen Fall gelten lassen möchte. Günther weist darauf hin, dass es um die Liquidität des Unternehmens bereits schlecht bestellt gewesen sei, als er 2010 bei Möllers eintrat. „Von den 16 Millionen Cash, welche zum Todeszeitpunkt von Richard Birkenfeld im Unternehmen vorhanden waren, war kaum noch etwas übrig“, schildert er die damalige Sachlage. „Hätten wir im Dezember 2010 nicht das letzte Dollar-Konto aufgelöst, hätten keine Löhne und Gehälter gezahlt werden können“. Günther konstatiert, dass seine Prognose, die er Anfang 2011 gegenüber Beirat, Mehrheitsgesellschafterin und Geschäftsführerkollegen gestellt hatte, nunmehr „bis auf die dritte Stelle hinter dem Komma traurige Realität geworden ist.“

Der ehemalige Geschäftsführer erinnert daran, dass sich nach seiner ersten Analyse ergeben hatte, dass in die völlig falschen Maschinen investiert worden sei. „Die Fertigungstiefe war eindeutig zu hoch“, kam Günther nach eigener Darstellung vor dreieinhalb Jahren zum gleichen Schluss wie die heutige Geschäftsführung. Maschinenstundensätze waren nach seinem Befund „getürkt, beziehungsweise schlichtweg falsch berechnet“. Zudem seien die Gemeinkosten-Zuschlagsätze schöngerechnet worden. Günther prangert außerdem an, dass „sündhaft teure Software“ beschafft und „vollkommen stümperhaft implementiert“ worden sei. Ferner seien sechsstellige Summen in die Gestaltung von Vorgarten und Empfang gesteckt, ein völlig überflüssiges Technikum geschaffen und ein überdimensionierter Geschäftswagen für die Geschäftsführung beschafft worden.

Die Verantwortung für Fehlentscheidungen sieht Günther bei der damaligen Geschäftsführung sowie bei dem Beirat. Letzterer habe, ebenso wie die Mehrheitsgesellschafterin, seiner Analyse jedoch keinen Glauben geschenkt. Daher habe er, Günther, eine externe Unternehmensberatung mit einer Untersuchung beauftragt, die seine Position bestätigt habe.

Das nützte ihm freilich auch nichts. Nach fünf Monaten musste er das Unternehmen wieder verlassen. Auch zwei Nachfolger blieben nur kurz. Sie, so befindet Günther, waren ebenfalls „absolut chancenlos, den Turnaround zu schaffen“, da man sie nicht das machen ließ, was dringend hätte erledigt werden müssen.