Es ist quasi ein jährliches „Familientreffen“: Über Partei-, Generationsgrenzen und manche Weltanschauung hinweg, haben am Freitag etwa 400 Teilnehmer den 1.Mai am Dreiecksplatz gefeiert. Viel Applaus auf der DGB-Kundgebung bekam Bürgermeister Matthias Trepper (SPD), der länger er krankt war und jetzt erstmals wieder öffentlich auftrat.
Weitere Redner und Gäste in Gütersloh waren die Landtagsabgeordneten Raphael Tigges (CDU), Wibke Brems (Grüne) sowie zahlreiche Kommunalpolitiker aus dem Kreisgebiet. Mit Infoständen waren DGB-Gewerkschaften und Initiativen vertreten. Hauptrednerin war Clea Stille, seit drei Jahren Regionalgeschäftsführerin des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) in Ostwestfalen. Die Organisation lag in Händen von Jana Ramme, Gewerkschaftssekretärin der IG Metall Gütersloh-Oel de. Wie später auch Clea Stille stellte Bürgermeister Trepper nicht in Frage, „dass wir wirtschaftlich herausfordernde Zeiten mit sich verändernden globalen Märkten, Druck, und Unsicherheit“ erleben.
Ebenso klar sei aber auch: „Die Verantwortung für diese Unsicherheit liegt nicht bei den Arbeitnehmern und Arbeitnehmerinnen.“ Respekt, faire Bedingungen und Mitbestimmung seien wichtiger denn je, betonte Trep per. Unternehmen trügen Verantwortung - für ihre Beschäftigten, für ihre Standorte, für die Zukunft der Region. Der Bürgermeister verwies aber auch auf die Notwendigkeit starker Partnerschaften: „Lösungen entstehen nicht im Gegeneinander, sondern einzig und allein im Miteinander.“ In diesem Sinne setze sich die Stadt dafür ein, gute Rahmenbedingungen für Arbeit und Wirtschaft zu schaffen, damit Beschäftigung gesichert werde und die lokale Wirtschaft stark bleibe.
Angesichts der Diskussionen um den 1. Mai stellten Trepper und Stille einhellig klar: „Der 1.Mai muss Feiertag bleiben.“ Er zeige auf, was Beschäftigte erreichen könnten. Ihn in Frage zu stellen, sei respektlos gegenüber den Beschäftigten, erklärte Stille, die ihre Rede unter das Leitmotiv des diesjährigen Maifeiertags stellte: „Erst unsere Jobs, dann eure Profite“. Sie kritisierte scharf Denkmodelle von Politik und Arbeitgeberseite in krisenreicher Zeit, „in der jeden Monat um die 10.000 Arbeitsplätze verloren gehen.“ Die Forderung nach einer Aufweichung des Arbeitszeitgesetzes, Unterstellungen, Arbeitnehmer seien rein freizeitorientiert, Angriffe auf Arbeits- und Gesundheitsschutz seien Ausdruck einer „brandgefährlichen Debatte“, die Unsicherheit schaffe und letztlich Demokratie gefährde. „Die Menschen arbeiten so viel wie nie, inklusive Milliarden von – teils unbezahlten Überstunden.“
„Wir werden den Gürtel enger schnallen müssen“, stellte auch Stille nicht in Abrede. Dies dürfe jedoch nicht nur die Beschäftigten treffen. Ihre Forderung: eine „gerechte Besteuerung“ von Reichen. Die DGB-Geschäftsführerin richtete ihren Blick auch auf die Zukunft der Ausbildung, die Notwendigkeit qualifizierter Schulabschlüsse („Jeder Fünfte verlässt heute die Schule ohne Abschluss“) und die Notwendigkeit der Schaffung von Ausbildungsplätzen.
Die Redner zum 1. Mai in Gütersloh: (v. l.) Clea Stille (DGB), Eva-Maria Elsner, Kristine Leifeld (beide IG Metall Gütersloh-Oelde), Organisatorin Jana Ramme (IG Metall), Rudi Umlauf (IG Metall Jugend) und Güterslohs Bürgermeister Matthias Trepper (SPD).
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